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Innovation im Thurgau: Stark, aber anders
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Bildquelle: Pureon AG
Bezieht man sich auf die klassischen Innovationsrankings, ist der Thurgau kein Hotspot. Im Innovations- und Kreativitätsindex der Hochschule Luzern beispielsweise rangiert der Kanton lediglich auf Platz 23. Der Thurgau verzeichnet im Schnitt rund 14 internationale Patentanmeldungen pro 100’000 Einwohner und Jahr, schweizweit sind es 35. Ein Blick hinter die Zahlen zeigt jedoch: Innovation lässt sich nicht nur an der Anzahl Patente messen. Und sie entsteht nicht nur in Metropolen oder Forschungslaboren, sondern auch dort, wo Unternehmen nah an ihren Kundinnen und Kunden arbeiten, Spezialwissen über Jahre aufbauen und konsequent Lösungen für konkrete Herausforderungen entwickeln.
Impulse aus dem Technologie-Sektor
In der Ostschweiz flossen über vier Fünftel der privatwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den Technologiesektor und in industrienahe Wirtschaftszweige. Die Aufwendungen lagen mit 1300 Franken pro Kopf klar unter dem Schweizer Wert von 2000 Franken. Gleichzeitig ist der Thurgau stark diversifiziert, Wissen und Talente verteilen sich über die Branchen. Der industrielle Kern der Region stützt die Innovationskraft, das Innovationspotenzial ist aber vielfältig.
Internationalität befeuert Innovationen
Zu wichtigen Innovationsimpulsen trägt auch die internationale Ausrichtung der Thurgauer Wirtschaft bei. Wer aus dem Thurgau internationale Märkte bedient, kann im internationalen Wettbewerb nicht über den tiefsten Preis bestehen. Um sich am Weltmarkt bewähren zu können, wird Innovation zur Voraussetzung. Das zeigt sich eindrücklich an den beiden Beispielen Pureon und Blackroll. Das Erfolgsrezept der beiden Unternehmen sind weniger spektakuläre Erfindungen als kontinuierliche Weiterentwicklung, vertieftes Know-how und starke Netzwerke. Die Pureon AG entwickelt und produziert Poliermittel für Hightech-Materialien. Für Daniel Spring, Verwaltungsrat und Mitinhaber des Unternehmens aus Lengwil ist ein neues Produkt nicht automatisch innovativ. Entscheidend sei, ob es beim Kunden einen messbaren Vorteil schaffe. «Der Kunde will eine bestimmte Qualität mit möglichst hoher Effizienz und Zuverlässigkeit erreichen. Wenn unsere Lösung diese Anforderungen erfüllt, setzt sie sich durch», sagt er. Pureons Innovationskraft zeigt sich deshalb weniger in einem einzelnen Produkt als in der Fähigkeit, sich laufend weiterzuentwickeln. Aus einem Hersteller von Diamantpulver wurde so ein Spezialist für anspruchsvolle Polierprozesse.
Innovation heisst auch Probleme verstehen
Das stetige Streben nach dem Besseren zeigt sich auch bei Blackroll, wobei sich Innovation hier nicht in einer Produktrevolution äussert, sondern in der konsequenten Kundenorientierung. Rollen für therapeutische Zwecke gab es schon länger. «Wir würden nie sagen, dass wir die Rolle erfunden haben», erklärt Marius Keckeisen, Mitgründer der Blackroll AG mit Sitz in Bottighofen. Entscheidend war, therapeutisches und wissenschaftliches Wissen so umzusetzen, dass es im Alltag für eine möglichst breite Masse praktischen Nutzen stiftet. «Wissen zu skalieren mit einem einfachen Produkt – das war die eigentliche Innovation.»
Blackroll und Pureon haben eines gemeinsam: Innovation beginnt für sie mit einem genau verstandenen Problem, das sie in nützliche Lösungen übersetzen. Dabei stützen sie sich auf einen bewährten Ansatz: Gerade in Nischen können Unternehmen spezialisiertes Wissen und Netzwerke aufbauen. Denn das Wissen ist schwer zu kopieren und nicht immer sinnvoll patentierbar.
Lesen Sie mehr über die Innovationsrezepte der Thurgauer Unternehmen im ausführlichen Artikel: